Die Flusspioniere

Die Bundesrepublik Deutschland war durch NATO-Verträge verpflichtet, die Operationsfreiheit aller auf ihrem Hoheitsgebiet eingesetzten NATO-Truppen
aufrechtzuerhalten. Dabei musste in erster Linie sichergestellt werden, dass die für die Durchführung der Operationen in der rückwärtigen Kampfzone und der Verbindungszone erforderlichen Verkehrswege ständig betriebsbereit waren. Der Übergang über breite, strömungsstarke Gewässer war hier eine besondere Herausforderung.

Mit der Aufstellung der Flusspionierkompanien in der Bundeswehr, (ab 03.07.1957) wurden der Pioniertruppe Spezialeinheiten zur Verfügung gestellt, die ihrer Aufgabe und Ausrüstung nach eine wertvolle Ergänzung der brückenschlagenden Pioniere darstellten.

Sie waren als schwimmende Einheiten am Rhein stationiert, da die Stromverhältnisse vor allem hier ihren Einsatz in einem Verteidigungstfall notwendig machten. Sie konnten an jeder Stelle des Stromes eingesetzt werden und waren jederzeit in der Lage, Truppen und Material ohne vorbereitende Bauzeit über den Fluss zu setzten. Die insgesamt sechs Flusspionierkompanien waren als selbstständige Einheiten den schweren Pionierregimentern / Pionierkommandos unterstellt und am Rhein im Rahmen der Territorialen Verteidigung eingesetzt. Durch die tief greifenden Strukturveränderungen der Bundeswehr im Laufe der Jahrzehnte, wurde die Anzahl der Flusspionierkompanien zunächst reduziert und im Jahre 1989 völlig aufgelöst.

AuftragOrganigram 1959Organigram 1980PersonalStellenplan

Die Flusspionierkompanie förderte die Bewegungen eigener Truppen beim Überwinden 
von Gewässern durch Einsatz von Flussfähren im Dauerbetrieb.

 

Im Einzelnen

Die Flusspionierkompanie

  • erkundete, richtete ein und unterhielt Fährstellen;
  • betrieb Fähren;
  • setzte Pioniertaucher zum Erkunden von Gewässern und zum Verrichten
    leichter Arbeiten unter Wasser ein;
  • setzte leichte Übergangsmittel ein;
  • stellte Personal und Material für die beim Übergang über Gewässer einzuteilenden Dienste, Verbindungen und  Einrichtungen;
  • sicherte die Übergangsstellen mit Bordwaffen, insbesondere gegen Feind aus der Luft;
  • führte den Truppensanitätsdienst durch und richtete bei Bedarf einen Truppenverbandsplatz ein;
  • stellte Versorgungsgüter im Rahmen ihrer Zuständigkeit bereit und versorgte die Kompanie;
  • bewirtschaftete das Material der Kompanie;
  • hielt das Material der Kompanie bis einschließlich Materialerhaltungsstufe 2 instand;
  • setzte eigenes Pioniergerät und Fernmelde- und Radargerät bis einschließlich Materialerhaltungsstufe 3 instand;
  • stellte die innerhalb der Kompanie erforderlichen Fernmeldeverbindungen her, betrieb und unterhielt sie

Ausbildung und Verwendung

Die Ausbildung und Verwendung der Flusspioniere war vielfältig und fordernd.

Bei dem überwiegenden Teil der Soldaten konnte bei der militärischen Aus- und Weiterbildung auf qualifizierte, zivilberuflich verwertbare Abschlüsse aufgebaut werden.

Das Personal der Flusspionierkompanie war in nachfolgende Ausbildungs- und Verwendungsreihen eingeteilt:

  • Flusspionier
  • Pioniermaschinen Gruppe I  (Wasserfahrzeuge)
  • Pioniermaschinen Gruppe II (Arbeitsmaschinen)
  • Taucher
  • Pioniereinsatz
  • Truppenfernmeldeverbindungsdienst
  • Fernmeldebetrieb – Sprechfunk/Tastfunk/Schreibfunk
  • Humanmedizin
  • Stabsdienst – Allgemein/S1
  • Stabsdienst – / S3 / S2
  • Allgemeiner Sanitätsdienst
  • Medizinisches Fach-/Pflegepersonal
  • Materialnachweis
  • Nachweis / Disposition
  • Verpflegung
  • Materialversorgung
  • Munition/Betriebsstoff
  • Kraftfahrzeug-/Panzertechnik
  • Waffen-/Gerätetechnik
  • Elektronik
  • Elektrotechnik
  • Kraftfahrwesen
 

Die Flusspionierkompanien hatten einen hohen Anteil an länger dienenden Soldaten. Gemäß Stellenplan waren etwa die Hälfte des Personals Berufssoldaten oder Soldaten auf Zeit.

Flusspioniere hatten  bezüglich der Nachwuchsgewinnung kaum Sorgen.

Die Kompanien hatte 1959 ihre größte Personalstärke mit 263 Soldaten, während der personelle Umfang 1986 nur noch 139 Mann betragen hatte.

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